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Programm

Der linke Geiger auf der Bühne

Den linken Geiger stellte in der Schülerfassung Ralf Elbl (9a) dar


Die Sage


Im 15. Jahrhundert soll es ein Bürger der Stadt verstanden haben, trefflich auf der Geige zu spielen. Das Besondere seines Spielens war, dass er den Bogen mit der linken Hand strich, ganz im Gegensatz zu der allgemein gebräuchlichen Technik des Violinspielens, den Bogen in die rechte Hand zu nehmen. Landauf, landab durfte der linke Geiger zum Tanz aufspielen. Er war schließlich so berühmt, dass man von ihm und seinen Begleitern als den Gundelfinger Linken, den G‘linken sprach.

 

 

 

 


Von der „Vereinigung der beiden Gesangvereine Liedertafel und Frohsinn zur Pflege der Musik“ stammt diese Ansichtskarte mit dem Hinweis auf das historische Singspiel „Der Linke Geyger“ und den Neckname der Gundelfinger „Die Linken“


Das Singspiel 1921


Diese Sage war Anlass und Inhalt zu einem Heimatspiel, das der Gundelfinger Kunstgärtner Franz Schmid und der Dillinger Lehrer Hans Albrecht verfassten. Der vor 125 Jahren in Bissingen im Kesseltal geborene Alois Bauer wirkte von 1918 – 1934 als Lehrer in Gundelfingen. Dort kam er mit der Ortssage in Berührung und komponierte ein Singspiel, das im November 1921 in der Turnhalle am Maxgarten erstmals erklang. Sechs weitere Aufführungen folgten, 1924 gab es Vorstellungen in Aalen, Augsburg und Kaufbeuren und 1931 weitere sechs Aufführungen in Gundelfingen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Schüler der Hauptschule Gundelfingen führten in der Mehrzweckhalle am 21. Mai 1977 ein neu formuliertes und erweitertes Sprechtheaterstück vom linken Geiger auf. Auf dem Bild (v.l.) Ratsschreiber Christian Gumpp 9a und die Ratsherren Wolfgang Lindenthal 8a, Werner Pahl 7a, Dieter Wagenhuber 7a, Karl-Heinz Jahn 8a und Rolf Nußbaum 8a.


Das Schülertheaterstück 1977


Die Hauptschule Gundelfingen hat es sich in Besinnung auf die Heimatgeschichte zur Aufgabe gemacht, mit der Neufassung vom Linken Geiger einen wichtigen Beitrag zu 700-Jahrfeier der Stadt im Jahre 1977 zu leisten. Vor 40 Jahren standen 28 Schüler aus den 6., 7., 8. und 9. Klassen als Akteure auf der Bühne der Mehrzweckhalle. Regie führte Konrektor Gernot Walter, der den Singspieltext gestrafft und neuformuliert hatte. So wurde aus dem dreiaktigen Singspiel ein Theaterstück mit vier Aufzügen, das mit großem Erfolg aufgeführt wurde.

 

 

 

 


Christian Huber in der Rolle des linken Geigers bei der Freilichtaufführung 2000


Das Heimatspiel auf der Freilichtbühne


Im Jahre 2000 beging die Stadt Gundelfingen die 1250-Jahrfeier der ersten urkundlichen Erwähnung anno 750. In diesem Rahmen sollte das historische Heimatspiel nicht fehlen. Kulturreferent Walter Hieber hatte die Idee, das Theaterstück als Freilichtaufführung zu präsentieren. Im Burggraben am Unteren Tor war der geeignete Spielort gefunden, der die Authentizität des Spielgeschehens unterstrich. Nach Aufrufen fanden sich 60 Theaterspieler, welche die Textfassung von Gernot Walter vor historischer Kulisse darboten. In 33 Proben hatten Dorothea Spring und Gernot Walter die Darsteller befähigt, im Mai 2000 in ihre mittelalterlichen Rollen zu schlüpfen. Zwei echte Tanzbären bereicherten die Marktszene. Die Schauspieler hatte Gefallen an ihrer neuen Aufgabe gefunden und beschlossen, weiter in Gundelfingen Theater zu spielen. So wurde das Burggrabentheater gegründet, das seitdem agiert.

 

 

 

 

 

 

 


Die Reformation

Die Entdeckung der Glaubensgerechtigkeit – Martin Luther

Im Sommer 1505 gerät der am 10. November 1483 in Eisleben geborene Martin Luther als Student der Jurisprudenz auf den Feldern von Stotternheim in ein schweres Gewitter. Aus Angst, vom Blitz erschlagen zu werden, fleht er: „Hilf, du heilige Anna, ich will ein Mönch werden!" Zum Ärger seines Vaters, der im Kupferbergbau arbeitet, bricht er sein Jurastudium ab. Er wird Mönch und Priester in Erfurt und studiert Theologie in Wittenberg.

Allerdings: die Freude an der Frohen Botschaft hat ihn nicht ins Kloster geführt. Vielmehr treibt ihn die nackte Angst vor einem furchtbar gerechten Gott und ruhelos fragt er: „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?" Im Römerbrief liest er (Röm 1,17): „Die Gerechtigkeit Gottes wird im Evangelium offenbar." Allmählich versteht der Angefochtene, dass die Gerechtigkeit Gottes nicht einen zornigen und strafenden Gott meint, sondern den gnädigen und barmherzigen Gott. Wie anders hätte Gottes Gerechtigkeit etwas mit dem Evangelium zu tun? Und zwar aus Glauben – Glaubensgerechtigkeit.

Als der Prediger Johann Tetzel (ca. 1465-1519) im brandenburgisch-magdeburgischen Land umherzieht und Ablassbriefe für zeitliche Sündenstrafen feilbietet, tritt Luther ins Rampenlicht. Mit 95 Thesen gegen den Ablass ruft Luther am 31. Oktober 1517 zu einer akademischen Diskussion auf: Gottes Wort allein soll die Richtschnur aller kirchlichen Verkündigung sein; kirchliche Traditionen und Bräuche haben dagegen keine verbindliche Autorität. Doch die damalige katholische Papstkirche lässt sich auf keine Reformation ein. Aus der Erneuerungsbewegung entwickelt sich gegen die ursprüngliche Absicht Luthers eine Kirchenspaltung, die von den Landesfürsten gestützt wird. Im Rückblick betrachtet der Reformator seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche als sein wichtigstes Werk. Am 18. Februar 1546 stirbt er in Eisleben. Kurz zuvor hat er auf einen Zettel geschrieben: „Wir sind Bettler, das ist wahr ..." 

Text: Reinhard Ellsel/Foto: epd bild

 

Die Frau an Luthers Seite – Katharina von Bora

Am 13. Juni 1525 heiratet Martin Luther die entflohene Nonne Katharina von Bora. Seine Gegner überziehen ihn mit Spott, seine Freunde reagieren verschnupft. Beide begründen die Tradition des evangelischen Pfarrhauses.

Katharina von Bora wird am 29. Januar 1499 als Tochter eines verarmten sächsischen Adligen in der Nähe von Leipzig geboren. Nach dem Besuch der Klosterschule in Brehna lebt sie seit 1509 im Zisterzienserinnenkloster Marienthron in Nimbschen. Ermutigt durch Schriften von Martin Luther, der sich kritisch mit dem Klosterleben auseinandersetzt, flieht sie mit elf weiteren Nonnen in der Nacht zum Ostersonntag 1523. In Wittenberg werden sie bei angesehenen Bürgerfamilien untergebracht und sollen verheiratet werden. Bei Katharina von Bora allerdings gestaltet sich die Suche nach einem passenden Ehemann schwierig. Da entscheidet sich der eiserne Junggeselle Luther, dem die couragierte Katharina Avancen gemacht hat, zur Eheschließung. Das Paar richtet sich im Schwarzen Kloster ein. Der neue Kurfürst Johann der Beständige (1468–1532) hat Luther das ehemalige Augustinerkloster geschenkt.

Die „Lutherin" bringt das Wohnhaus und den Garten auf Vordermann und entfaltet alle Eigenschaften einer Gutsherrin, die ein mittelständisches Unternehmen managt. Er nennt sie nicht nur „mein Liebchen" oder „mein Morgenstern", sondern auch respektvoll „mein Herr Käthe". Sein Haushalt wird zu einer christlichen Herberge ungezählter Freunde und Studenten, aber auch von Armen und Hilfsbedürftigen. Sechs Kinder werden dem Ehepaar geboren. Nach Luthers Tod 1546 erleidet Katharina nach zwanzigjähriger Ehe manche Zurücksetzung und Undank. 1552 flieht sie aus Wittenberg vor der Pest und hat dabei einen Unfall mit der Kutsche. An dessen Folgen stirbt sie am 20. Dezember. Ihr Grabstein steht in der Stadtkirche zu Torgau.

Text: Reinhard Ellsel/Foto: Lotz

 

Das Gedenkjahr zur Reformation 2017 ist für uns Christinnen und Christen nicht nur Anlass zum Jubel. Vielmehr macht es uns bewusst, dass die abendländische Kirche seit 500 Jahren gespalten ist. Dennoch gibt es auch Anlass zur Freude. Insbesondere im 20. Jahrhundert wurden in der Ökumene große Fortschritte erzielt. Dies gilt in besonderer Weise für die Frage, was den Menschen vor Gott gerecht macht, ihm also einen „Platz im Himmel" sichert. Nicht zuletzt darum ging es ja beim Streit um den mittelalterlichen Ablasshandel, gegen den Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen richtete und somit die Ereignisse auslöste, die schließlich zur konfessionellen Spaltung führten.

In ökumenischer Gemeinschaft laden katholische und evangelische Christen deshalb gemeinsam mit den Gundelfinger Vereinen und der Stadt Gundelfingen am 25. Mai 2017 (Christi Himmelfahrt) zu einem mittelalterlichen Fest auf der Bleiche mit dem Titel: „...die Seele in den Himmel springt!" ein.

Folgendes Programm ist geplant (Änderungen vorbehalten):

• 11.00 Uhr Ökumenischer Gottesdienst im Freien, mitgestaltet vom Burggrabentheater

• Anschließend Mittagessen, Mittelalterliches Leben mit Musik, Tänzern, Gauklern und weiteren Angeboten für Groß und Klein.

• 17.00 Uhr Schlussandacht

zusammengestellt von Pfarrer Frank Bienk

Die Obere Mühle - Eine kleine Mühlengeschichte

Aus dem Gundelfinger Stadtarchiv

Text von Siegfried Doser mit freundlicher Unterstützung von Ernst Lehnert (Bayerische Vermessungsverwaltung, Dillingen)

Werkstoffe wie Aluminium, Glas, Gummi und Kunststoff kennzeichnen heute das Wirtschaftsleben in Gundelfingen.

Aus der Bearbeitung und Vermarktung schöpft die Stadt ihre wirtschaftliche Prosperität. Handwerk, Handel und Gewerbe brachten jedoch auch in den vergangenen Jahrhunderten Wohlstand und überörtliche Bedeutung in die Stadt.Neben den Klassikern, wie Schmiede, Wagner, Weber und Kaufleute, trugen vor allem die Müller zum Ansehen unserer Stadt bei.

Die gleichmäßig wasserführende Brenz entlang von Burg und Stadtmauer lieferte beste Voraus-setzungen zum Betreiben der standortnahen vier Wassermühlen. Seit dem 13. Jahrhundert versorgten sie Stadt und Umland mit ihren begehrten Produkten. Erst das allgemeine Mühlensterben im 20. Jahrhundert setzte diesem traditionsreichen Handwerk ein Ende.

Gerste, Roggen, Weizen, Dinkel, Emmer, Hanf und Holz wurden in den Getreide-, Walk-, Säg- und Ölmühlen verarbeitet. Kurzfristig diente in den Jahren 1621 und 1622 die ehemalige Keckenmühle sogar als Münzprägeanstalt, was ihr die spätere Bezeichnung „Münzmühle" verschaffte.

Vom Unterlauf zum Oberlauf der Brenz gab es bzw. sind noch vorhanden :

  • Untermühle
  • Neumühle

später einmal neu erbaut

  • Münzmühle
  • Obere Mühle

Dazu ein kleiner Überblick aus der Zeit von 1830:

Protokoll über Liquidation des Besitzstandes und der Dominikalen:

d.h. Vermögensaufstellung zur Berechnung des Steueraufkommens und sonstiger Lasten für die folgenden Jahre

Haus Nr. 118 Obermüller Josef Vinzenz Sailer

Besitzstand : Wohnhaus mit einer Mühle aus 4 Mahl- und 1 Gerbgang, Back- und Wohnhaus, Pferdestall, Scheune, Stallung, Schweineställe, Hofraum und Brunnen, zwei Würzgärtchen, der Jörgische Gras- und Obstgarten, der obere Grasgarten mit dem Mühlweg neben dem Spitalkrautgarten lfd Nr. 352.

Nebenhaus, Schafstall, dann Säg- und Ölmühle, Hofraum, Grasgarten an der Sägmühle (auf dem heutigen Sägplatz )

Dominicalverhältnis : Grunddienst, Kirchendienst, Getreidegült zur Stadtkammer Gundelfingen

Hundshaltungsgeld, Kirchendienst, Grundzins zum kgl. Rentamt Lauingen

Abgabe vom Mühlgarten und Jörgischen Garten zur Stadtpfarrkirche Gundelfingen

Grunddienst zur Stadtcaplaney Gundelfingen und zur Katholischen Kirchenpflege Niederstotzingen

Besteuerungsgrundlagen auszugsweise:

  1. „Gemeindetheile" vom Jahre 1804 wie Krautgarten, Wiesen, Äcker - IN GELD -.

  2. Von Fl Nr. 3785 bezieht den Krautgartenzehnt und von den 3 Ackertheilen den Kleinzehnt die Ortspfarrey - IN NATURA -.

  3. Das allodificierte halbe St. Gallenlehen
    Allod = Grundeigentum = Eigengut
    bestehend aus
    Äcker – Medlinger Straße und Haunsheimer Straße
    Wiesen – 3 Tagwerk beim Riedtopfen – worauf die Holznutzung gegenwärtig aus einigen Eichen und dem den drei Gemeinden im Eigenthum zugeschriebenen Holzstreif lNr. 6805 ½ der besagten Gemeinde gehört.- IN GELD -

  4. Hundshaltungsgeld
    Resultiert aus einer Verpflichtung aus dem Mittelalter.
    Für den Neuburger Hof bzw. deren Jagdgesellschaften waren vom Obermüller fünf Jagdhunde vorzuhalten, um im Gundelfinger Ried und Moos jederzeit der Jagd nachgehen zu können.
    Bei Errichtung des Königreiches Bayern 1806 wandelten findige Steuerbeamten dies in eine Steuer „Hundshaltungsgeld" um; ZAHLBAR ZUM KGL. RENTAMT LAUINGEN.

    Soviel zur Steuereinfachheit in der „guten alten Zeit"!

Besondere Verhältnisse und Servituten:

Die beiden Wuhren (Furten an der Brenz) sammt der Uferbauten von der Mühle aufwärts bis an die obere Wuhr vom wilden Ablaß bei lmtr. 3544 hat der Mühlbesitzer ohnentgeldlich zu unterhalten. Dagegen ist derselbe berechtigt, durch die Spitalwiese lNr. 4390 auf dem mit lNr. 4390 bezeichneten Weg zu fahren.

Wie auf dem Katasterplan von 1830 zu erkennen ist, war die Straßenführung von Gundelfingen nach Bächingen wegen der damals noch fehlenden Bächinger Straße anders.

Vom Geigertor stadtauswärts führte der Weg über die Obere Vorstadt zur Oberen Mühle. Dort mussten die Brenzarme gekreuzt werden.

Für die Bürger gab es zwar am Mühlenarm der Brenz einen Steg. Vieh und Fuhrwerke mussten aber die Wuhren (Furten) an der Mühle und am wilden Ablaß benutzen. Der Unterhalt jedoch oblag wie oben festgeschrieben dem Obermüller.

Reste der Wuhre am Mühlgrundstück diente bis vor ein paar Jahrzehnten dem Müller noch als Pferdeschwemme und Ganslände. Ältere Mitbürger erinnern sich vielleicht daran.